Fazit
Zugegebenermaßen haben wir nach der Vorbestellung des Anycubic Kobra X schon sehnsüchtig auf die Lieferung des Druckers gewartet und waren somit vielleicht zum Teil etwas voreingenommen. Der letzte Kontakt zu einem 3D-Drucker lag bei uns über zehn Jahre zurück -einem Velleman K8200, als Bausatz von Conrad - entsprechend hoch war die Erwartungshaltung an einen modernen 3D-Drucker mit aktueller Druckqualität und Software. Insgesamt lässt sich sagen: Wir wurden nicht enttäuscht.
In den ersten 1,5 Wochen seit Lieferung des Druckers kam der Drucker in Summe schon 65 Betriebsstunden und wurde für verschiedenste Aufgaben im Haushalt sowie kleinere Deko-Projekte eingesetzt. Die meisten gedruckten Teile sind zwar bisher als Einfarb-Druckteile vom Drucker gefallen, die Möglichkeit in der Hinterhand zu haben auch Mehrfarbdrucke zu drucken hatte uns aber letztlich zum Kauf des Kobra X gebracht. Getreu dem Motto: besser haben als brauchen.
Und genau hier sitzt auch die zentrale Stärke des Kobra X: Für einen Preis im Low-Budget-Bereich von 260 bis 300€ (je nach Angebot) liefert der Drucker insgesamt ein sehr rundes Gesamtpaket. Besonders der Mehrfarbdruck funktioniert in der Praxis zuverlässig und ohne größere Hürden, das Touchdisplay erleichtert die Bedienung und auch die integrierte Kamera bietet zumindest einen groben Überblick über laufende Drucke. Insgesamt vermittelt das Gerät den Eindruck, dass Anycubic viele Aspekte eines modernen 3D-Druckers gut durchdacht hat - auch wenn nicht jede Lösung perfekt umgesetzt wurde.
So ist beispielsweise die Kamera-Position eher fragwürdig gewählt, da insbesondere die ersten Schichten eines Drucks kaum einsehbar sind. Auch die Position der Filamentspulen am oberen Rahmen wirkt auf den ersten Blick etwas widersprüchlich zur beworbenen Vibrationsreduktion, da diese bei jeder Bewegung des Druckers sichtbar mitvibrierten. Es handelt sich hierbei zwar eher um Detailkritik, sie zeigt aber, dass nicht jede Designentscheidung optimal getroffen wurde.
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Ein weiterer Punkt betrifft die beworbene Garantie für Vorbesteller. Zwar wird auf der Website ein Schutz für die ersten Drucke inklusive möglicher Ersatzleistungen erwähnt, allerdings bleibt unklar, welches konkrete Testmodell dafür gedruckt werden müsste. Die Formulierung eines „official Anycubic benchmark model preloaded on the printer“ lässt hier viel Interpretationsspielraum, da mehrere Modelle zum Auslieferungszustand des Druckers gehören. Auch wenn dies im besten Fall reine Formsache ist, wirkt die Kommunikation an dieser Stelle nicht vollständig transparent.
Positiv hervorzuheben ist hingegen, dass wir bislang keinerlei Anlass hatten, diesen Support tatsächlich in Anspruch zu nehmen – der Drucker arbeitet zuverlässig und produziert kontinuierlich neue Teile, darunter praktische Helfer wie einen Abfallbehälter für den sogenannten „Poop“ des Mehrfarbdrucks sowie Halterungen zur besseren Kabelführung des Druckers.
Hier zeigt sich auch nach wie vor einer der Schwachstellen des Mehrfarbsystems welches beim Kobra X (und in Abwandlungen auch anderen Druckern anderer Hersteller mit einer einzigen Druckdüse zum Einsatz kommt): die Systeme produzieren nach wie vor viel Müll. Während deutlich teurere Systeme teilweise mit mehreren Druckköpfen arbeiten und dadurch Spülvorgänge reduzieren können, basiert der Kobra X auf einem System mit nur einer einzelnen Druckdüse. Dadurch entstehen bei jedem Farbwechsel zusätzliche Spülvorgänge und damit zwangsläufig Abfall. Der Komfort des Mehrfarbdrucks wird somit durch einen spürbaren Materialverbrauch erkauft.
Insgesamt ist der Anycubic Kobra X ein sehr rundes und einsteigerfreundliches Gesamtsystem mit klaren Stärken im Ökosystem und in der Bedienbarkeit, aber auch mit erkennbaren konstruktiven Kompromissen. Besonders für Einsteiger und Hobbyanwender bietet er einen sehr niedrigen Einstiegspunkt in den 3D-Druck und nimmt durch App, Slicer und vorgefertigte Profile viele Hürden. Für sehr detailkritische oder professionelle Anwendungen, bei denen Effizienz, Präzision und Materialökonomie im Vordergrund stehen, stoßen das System und insbesondere das Mehrfarbkonzept jedoch an seine Grenzen. Professionellere Anwender werden daher vermutlich weiterhin eher zu anderen, teureren Druckern greifen.
Positive Aspekte des Anycubic Kobra X:
- Ausgereiftes Kobra OS Betriebssystem in Verbindung mit dem Anycubic Ökosystem (Slicer, App, Makeronline) funktioniert gut und zuverlässig
- Hochwertiger und steiler Aluminiumrahmen der Z-Achse.
- Funktionierendes 4-Farb-System mit flexiblen Materialkombinationen (z. B. PLA + TPU)
- Attraktiver Preis im Verhältnis zum Funktionsumfang
- Intuitives Touchdisplay zur direkten Bedienung
- Flexible Druckquellen (USB und Cloud) oder direkt lokal über das Netzwerk
- Hohe Geschwindigkeit beim Farbwechsel gegenüber anderen vergleichbaren Drucksystemen mit nur einer Druckdüse
Negative Aspekte des Anycubic Kobra X:
- Ungünstig positionierte Kamera mit eingeschränkter Sicht auf den Druckbereich
- KI-/Assistenzfunktionen stark abhängig von Lichtverhältnissen und insgesamt nur bedingt zuverlässig
- Kabel- und Schlauchführung wirkt teilweise unausgereift und wenig aufgeräumt
- Garantiekommunikation für Vorbesteller schwammig formuliert
- Mehrfarbdruck erzeugt spürbaren Materialabfall durch notwendige Spülvorgänge